Der Bodenwert gibt Aufschluss über den Wert von Grundstücken ohne Bebauung. Er lässt sich anhand der Bodenrichtwerte oder des Ver­gleichs­wert­ver­fah­rens berechnen. Wir erklären Ihnen in diesem Artikel, wie Sachverständige den Bodenwert ermitteln, welche Faktoren ihn beeinflussen und wann Sie ihn benötigen.

Ein abgestecktes Grundstück.
Der Bodenwert ist abhängig von Grund­stücks­grö­ße, – zuschnitt und Bo­den­be­schaf­fen­heit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bodenwert beschreibt den Wert eines unbebauten Grundstücks. Auch für bebaute Grundstücke lässt sich ein Bodenwert ermitteln. In diesem Fall gilt der Wert, der ohne Bebauung entstehen würde.
  • Mithilfe von Bo­den­richt­wer­ten und der Grund­stücks­flä­che lässt sich der Bodenwert berechnen. Eine weitere Methode ist das Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren.
  • Faktoren wie Lage, Grund­stücks­grö­ße und -zuschnitt, Bodenqualität oder Vorschriften aus dem Bebauungsplan beeinflussen die Höhe des Bodenwerts.
  • Der Bodenwert ist eine wichtige Grundlage in der Wertermittlung von Immobilien, insbesondere im Sachwert- und im Er­trags­wert­ver­fah­ren. Darüber hinaus kann er Käufern und Verkäufern von unbebauten Grundstücken als erste Orientierung dienen.
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André Heid
Zertifizierte Im­mo­bi­li­en­gut­ach­ter nach DIN 17024 von TÜV, DEKRA, IHK, DIA und EIPOS bewerten Ihre Immobilie sachgemäß.

Was ist der Bodenwert?

Der Bodenwert gibt an, welchen Wert ein unbebautes Grundstück hat. Bauliche Anlagen finden bei der Berechnung des Bodenwerts keine Be­rück­sich­ti­gung. Für bebaute Grundstücke gilt der Wert, der sich ohne eine Bebauung ergeben würde („reiner Bodenwert“).

Achtung: Die Begriffe Bodenwert, Bodenrichtwert und Grundstückswert werden oft synonym verwendet, bedeuten aber nicht dasselbe. Sie sind folgendermaßen voneinander abzugrenzen:

Bodenrichtwert Der durch­schnitt­li­che Wert für einen Quadratmeter unbebauter Grund­stücks­flä­che in einer bestimmten Region. Er ist die Ausgangsbasis, um den Bodenwert zu berechnen.
Bodenwert Der Wert des gesamten Grundstücks ohne Bebauung.
Grundstückswert Setzt sich aus dem Bodenwert, dem Gebäudewert sowie dem Wert der Außenanlagen zusammen. Er gibt also auch den Wert von bebauten Grundstücken an.

Wie lässt sich der Bodenwert berechnen?

Der Bodenwert lässt sich auf zwei verschiedene Weisen ermitteln:

Bodenwert berechnen mit Bo­den­richt­wer­ten

Den vorläufigen Bodenwert berechnen Sie mittels Bodenrichtwert und der Flächengröße des Grundstücks. Es gilt die folgende Formel:

Bodenrichtwert × Qua­drat­me­ter­zahl = vorläufiger Bodenwert

Da die Bodenrichtwerte in der Praxis oft nicht den realen Bedingungen vor Ort entsprechen, nehmen Gutachter noch Anpassungen vor. Sie berücksichtigen wertsteigernde und wertmindernde Faktoren bei der Berechnung des Bodenwerts, um ein realistischeres Ergebnis zu erhalten. So ergibt sich der endgültige Bodenwert:

vorläufiger Bodenwert +/– Zu- oder Abschläge = endgültiger Bodenwert

Bei­spiel­rech­nung zur Bo­den­wert­ermitt­lung mit Bo­den­richt­wer­ten

Nehmen wir an, der Bodenrichtwert für eine Region liegt bei 613 €/m². Die Grund­stücks­flä­che beträgt 200 m². Anhand der genannten Formel ergibt sich demnach ein Bodenwert in Höhe von 122.600 €:

613 €/m²

x

200 m²

=

122.600 €

Bodenrichtwert


Qua­drat­me­ter­zahl


Bodenwert

Zu- und Abschläge werden bei der Bo­den­wert­ermitt­lung berücksichtigt: Denn das Grundstück hat zwar eine gute Lage, aber eine schwierige Topografie und Er­schlie­ßungs­män­gel. Es ergibt sich ein endgültiger Bodenwert von 106.662 €.

Bo­den­wert­ermitt­lung mit dem Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren

Alternativ lässt sich der Bodenwert mit dem Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren ermitteln – einem von drei ge­set­zes­kon­for­men Be­wer­tungs­me­tho­den, die Sachverständige für die Wertermittlung von Immobilien nutzen. Die Berechnung des Bodenwerts fußt hierbei auf dem Vergleich mit ähnlichen Grundstücken, sofern ausreichend Ver­gleichs­ob­jek­te zur Verfügung stehen. Sachverständige nutzen dafür die Daten aus kürzlich erfolgten Grund­stücks­ver­kau­fen.

Die Formel lautet:

Kaufpreis des Ver­gleichs­grund­stücks/Fläche des Ver­gleichs­grund­stücks x Fläche des betrachteten Grundstücks = vorläufiger Bodenwert

Auch hier müssen Zu- und Abschläge berücksichtigt werden, um den Wert anzugleichen:

Vorläufiger Bodenwert +/– Zu- oder Abschläge = endgültiger Bodenwert

Soll ein zuverlässiger und marktgerechter Bodenwert ermittelt werden, ist dieses Verfahren der Berechnung mittels Bo­den­richt­wer­ten vorzuziehen. Die Berechnung des Bodenwerts mit dem Ver­gleichs­wert­ver­fah­ren ist deutlich präziser, erfordert aber umfangreiches Fachwissen und Marktkenntnis. Sie lässt sich nur mit einem ausgebildeten Sach­ver­stän­di­gen und aktuellen Daten bewerkstelligen.

Welche Faktoren beeinflussen den Bodenwert?

Folgende wertsteigernde oder wertmindernde Faktoren haben einen Einfluss auf den endgültigen Bodenwert. Gutachter beziehen diese Faktoren ein, wenn sie den Bodenwert für ein Grundstück berechnen:

  • Lage: Makrolage (großräumige Lage) und Mikrolage (unmittelbare Umgebung).
  • Grund­stücks­merk­ma­le: Größe, Maße und Zuschnitt des Grundstücks.
  • Bebauungsplan: Vorschriften zur Bebauung, die im Bebauungsplan festgelegt sind.
  • Er­schlie­ßungs­grad: Wasser-, Gas-, Strom- und Ab­was­ser­lei­tun­gen, Telefon- und In­ter­net­lei­tun­gen, Anbindung zur Straße.
  • Bo­den­be­schaf­fen­heit und -qualität: Insbesondere fallen negative Bodenmerkmale wie Altlasten ins Gewicht.
  • Bauliche Nutzbarkeit: Was, wie viel und wie gebaut werden darf.
  • Grund­stücks­rech­te: Zum Beispiel Grund­dienst­bar­kei­ten und Wegerechte
Diese Faktoren beeinflussen den Bodenwert
Diese Faktoren beeinflussen den Bodenwert.

Häufige Fragen zum Bodenwert

Wir beantworten oft gestellte Fragen rund um die Bo­den­wert­ermitt­lung.

Sind Bodenwert und Bodenrichtwert das gleiche?

Nein. Obwohl die Begriffe ähnlich klingen, haben sie eine komplett un­ter­schied­li­che Bedeutung. Während der Bodenrichtwert den Durch­schnitts­wert für einen Quadratmeter unbebauter Fläche in einem bestimmten Gebiet angibt, errechnet sich der Bodenwert aus eben jenem Wert. Der Bodenwert gibt den Wert der gesamten Grund­stücks­flä­che an. Bebauung wird dabei nicht berücksichtigt.

Sollte ich vor einem Kauf oder Verkauf den Bodenwert ermitteln lassen?

Möchten Sie ein unbebautes Grundstück kaufen oder verkaufen, dann empfehlen wir, den Bodenwert von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sach­ver­stän­di­gen berechnen zu lassen. Denn dieser kann aufgrund von Erfahrung und lokaler Marktkenntnis verlässlich einschätzen, welchen Preis Sie mit Ihrem Grundstück maximal erzielen können. Dabei ist es egal, ob Sie den Bodenwert für baureifes Land, Ackerland oder einen Garten ermitteln.

Wenn Sie den Bodenwert selbst berechnen, gibt Ihnen das nur eine erste Orientierung. Für eine zuverlässige und marktgerechte Wertbestimmung müssen individuelle Grund­stücks­fak­to­ren berücksichtigt werden. Geschieht dies nicht, kann sich ein deutlich verfälschter Wert ergeben.

herr-heid-zitat

Ein korrekt ermittelter Bodenwert entscheidet mit über Kre­dit­wür­dig­keit und Steuerlast.

Dipl. Ing. André Heid M.Sc.

Welche Rolle spielt der Bodenwert in der Im­mo­bi­li­en­be­wer­tung?

Der Bodenwert spielt bei verschiedenen Verfahren zur Bewertung von Immobilien eine Rolle. Im Sach­wert­ver­fah­ren ergibt sich der Immobilienwert aus dem Bodenwert, dem Gebäude-Sachwert und einem Markt­an­pas­sungs­fak­tor. Im Er­trags­wert­ver­fah­ren fließt der Bodenwert neben dem Gebäude-Ertragswert und wert­be­ein­flus­sen­den Faktoren in die Berechnung ein.

Das Berechnen des Bodenwerts kann im Rahmen einer Im­mo­bi­li­en­be­wer­tung zum Beispiel bei Schenkungen, Scheidungen, Erbschaften oder auch Käufen und Verkäufen relevant sein. Ein DIN 17024 zertifizierter Gutachter erstellt Ihnen hierfür gerne ein be­hör­den­kon­for­mes und vor Gericht zugelassenes Ver­kehrs­wert­gut­ach­ten.

Wie wirken sich Angebot und Nachfrage auf den Bodenwert aus?

Ein entscheidender Aspekt bei der Bo­den­wert­ermitt­lung ist das aktuelle Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Berechnung sollte stets auf Basis der aktuellen Marktlage erfolgen, um einen realistischen Bodenwert zu erhalten:

  • Überwiegt die Nachfrage, muss das Ergebnis nach oben korrigiert werden, das heißt, Zuschläge werden einberechnet. Damit würde der Bodenwert im Beispiel mehr als 122.600 € betragen. Einen Nach­fra­ge­über­hang gibt es in weiten Teilen Deutschlands für Baugrundstücke, weswegen deren Verkehrswert höher ist als der rein über Bodenrichtwerte ermittelte Grund­stücks­preis.
  • Gibt es aktuell jedoch keine hohe Nachfrage, sondern das Angebot überwiegt, erfolgt die Korrektur nach unten und der Gutachter nimmt Abschläge vor. In diesem Fall würde der endgültige Bodenwert weniger als 122.600 € betragen.

Wie beeinflusst der Bodenwert den Einheitswert?

Der Einheitswert wird anhand des Bodenwertes berechnet. Die Formel lautet:

Einheitswert = Anzahl Quadratmeter x Bodenwert

Zertifizierte Gutachter berechnen den Bodenwert

Sie möchten den Bodenwert oder Verkehrswert für Ihr Grundstück ermitteln lassen und benötigen ein verlässliches Ergebnis? Dann helfen Ihnen unsere mehrfach zertifizierten Gutachter mit dem passenden Wertgutachten gerne weiter.

Wir beraten Sie kostenlos, gleich anrufen:
0800 - 909 02 82 oder Formular abschicken:
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