Unter Flächenversiegelung versteht man die dauerhafte oder weitgehende Abdeckung des natürlichen Bodens durch bauliche Maßnahmen wie Gebäude, Straßen, Parkplätze oder gepflasterte Flächen. Der Boden verliert dadurch seine natürlichen Funktionen, etwa die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, zu filtern oder Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu bieten. Die Flächenversiegelung spielt eine zentrale Rolle in der Stadt- und Bauleitplanung, im Umweltrecht sowie bei der ökologischen und wirtschaftlichen Grundstücksbewertung.
Was zählt zur Flächenversiegelung?
Zur Flächenversiegelung zählen alle Maßnahmen, die den Boden ganz oder teilweise abdichten, darunter:
- Gebäude und sonstige bauliche Anlagen,
- Asphalt- und Betonflächen wie Straßen, Wege und Parkplätze,
- stark verdichtete Pflasterungen mit geringer Wasserdurchlässigkeit,
- Terrassen, Garagenzufahrten, Innenhöfe und befestigte Stellplätze.
Welche Arten der Flächenversiegelung gibt es?
Flächenversiegelung lässt sich nach dem Grad der Bodenabdichtung in unterschiedliche Arten einteilen. Entscheidend ist, wie stark der natürliche Wasser-, Luft- und Stoffaustausch des Bodens eingeschränkt wird.
- Vollständige Flächenversiegelung
Der Boden wird vollständig abgedeckt, etwa durch Gebäude, Asphalt- oder Betonflächen. Eine Versickerung von Regenwasser ist nicht mehr möglich. - Teilversiegelung
Der Boden ist zwar befestigt, bleibt aber teilweise wasserdurchlässig. Beispiele sind Pflasterflächen mit offenen Fugen oder Rasengittersteine. Die Bodenfunktionen sind eingeschränkt, aber nicht vollständig aufgehoben. - Funktionsbezogene Versiegelung
Hierzu zählen Flächen, die technisch befestigt sind, deren Versiegelungsgrad jedoch von der Nutzung abhängt, etwa Wege, Zufahrten oder Stellplätze. Je nach Ausführung kann der Versiegelungseffekt stark variieren. - Temporäre Flächenversiegelung
Zeitlich begrenzte Versiegelungen, etwa durch Baustelleneinrichtungen oder provisorische Verkehrsflächen. Nach Abschluss der Nutzung sollen diese Flächen wieder entsiegelt werden.
Welche Folgen hat eine Flächenversiegelung?
Die Auswirkungen von Flächenversiegelung sind vielfältig. Sie betreffen Umwelt, Klima und Infrastruktur:
- erhöhte Hochwasser- und Überflutungsgefahr bei Starkregen,
- stärkere Belastung von Kanalisation und Entwässerungssystemen,
- geringere Neubildung von Grundwasser,
- Verlust von Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität,
- Entstehung städtischer Hitzeinseln,
- Verschlechterung des lokalen Mikroklimas.
Diese Folgen machen die Begrenzung der Flächenversiegelung zu einem wichtigen Ziel der Raumordnung, Stadtentwicklung und Klimaanpassung.
Welche Bedeutung hat Flächenversiegelung für ein Grundstück?
Die Flächenversiegelung auf einem Grundstück beeinflusst maßgeblich dessen Nutzungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Viele Kommunen begrenzen den zulässigen Versiegelungsgrad über:
- Bebauungspläne,
- Grundflächenzahl (GRZ),
- satzungsrechtliche Vorgaben und Umweltauflagen.
Ein hoher Versiegelungsgrad kann die weitere Bebauung einschränken und zusätzliche Auflagen nach sich ziehen. Dazu gehören unter anderem Regenwasserversickerung, Begrünung oder Entsiegelung vorhandener Flächen.
persönliche Beratung
Nach einem kostenlosen Erstgespräch vereinbaren wir gemeinsam einen Fixpreis, zu dem Sie Ihre Immobilie von uns schätzen lassen können. Sie erhalten ein seriöses Wertgutachten, das auf Wunsch auch vor Gericht und auf Behörden gültig ist.
Wir nehmen kurzfristige Aufträge in unseren zahlreichen Sachverständigenbüros in ganz Deutschland an. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!
Wie wird Flächenversiegelung rechtlich geregelt?
Rechtliche Vorgaben zur Flächenversiegelung ergeben sich aus:
- dem Baugesetzbuch (BauGB),
- der Baunutzungsverordnung (BauNVO),
- den Landesbauordnungen,
- kommunalen Bebauungsplänen und Satzungen.
Zunehmend schreiben Kommunen ökologische Ausgleichsmaßnahmen vor. Beispiele sind Gründächer, Versickerungsflächen, Zisternen oder Entsiegelungsmaßnahmen bestehender Flächen bei Neubau- oder Erweiterungsvorhaben.
Kann Flächenversiegelung rückgängig gemacht werden?
Ja. Die sogenannte Entsiegelung beschreibt den Rückbau versiegelter Flächen und die Wiederherstellung möglichst naturnaher Bodenfunktionen. Typische Entsiegelungsmaßnahmen sind:
- Entfernung von Asphalt- oder Betonflächen,
- Umwandlung in Grün- oder Versickerungsflächen,
- Einsatz von wasserdurchlässigem Bodenbelag.
In einigen Städten werden Entsiegelungsmaßnahmen sogar gefördert, da sie zur Klimaanpassung und Hochwasservorsorge beitragen.
Erfahren Sie mehr über unsere redaktionellen Richtlinien.