Bornage bezeichnet in Frankreich die rechtliche und materielle Festlegung der Grenzen zwischen benachbarten Grundstücken.
Was ist eine Bornage?
Die bornage ist in Frankreich die Grenzabmarkung. Sie hat zum Ziel, die Grenzlinien zwischen benachbarten Grundstücken genau zu markieren. Dabei werden auf dem Gelände dauerhafte Markierungen, sogenannte bornes, gesetzt, um die Eigentumsgrenzen klar festzulegen und Grenzstreitigkeiten zu vermeiden. Die Vermessung wird meist von einem Vermessungsingenieur durchgeführt und dient auch der rechtlichen Absicherung bei einem Grundstücksverkauf.
Welches Gesetz enthält Regeln zur Bornage?
Im Code Civil finden Sie in den Artikeln 646 und 647 Informationen zur bornage und zur clôture (Einfriedung, Umzäunung).
Wie hoch müssen Grenzmauern zum Nachbarn in Frankreich sein?
Die Grenzmauer muss in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern 3,20 m hoch sein. In kleineren Gemeinden reichen 2,60 m aus. Direkte Nachbarn haben in Frankreich einen Anspruch auf eine ordentliche Einfriedung (Ummauerung/Umzäunung). Eine Hecke oder Palisade genügt nicht.
Welche Einschränkungen gibt es bei der Grenzabmarkung in Frankreich?
Die Autoren Oliver Kirner und Katja Macor von der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien e. V.[1] kennen drei Einschränkungen bei der Umsetzung der bornage.
- Das Recht auf eine Umzäunung darf nicht missbraucht werden. So darf die Grenzmarkierung nicht so gestaltet werden, dass der Nachbar geschädigt oder sinnlos geärgert wird. Beispiel: eine 5 m hohe Mauer, die dank Stacheldraht nach Gefängnis aussieht.
- Der Nachbar darf nicht daran gehindert werden, auf sein Grundstück zu gelangen. In Deutschland gibt es dafür das Wegerecht.
- In einigen ländlichen Regionen gibt es noch das vaine pâture. Dieses alte Recht verbietet eine Umzäunung, wenn (durchziehendes) Vieh das Grundstück als Koppel nutzt.
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Wer bezahlt die Umzäunung französischer Grundstücke?
Die Nachbarn müssen die Kostenaufteilung für den Bau der Grenzmauer vorab verbindlich regeln. Will sich ein Nachbar nicht daran beteiligen, so kann er gemäß Art. 56 Code Civil auf seinen Teil des Grundstücks, auf dem die Grenzlinie verläuft, verzichten. Damit muss er sich auch nicht an Reparaturen der Grenzabmarkung beteiligen. Das geht allerdings nur, wenn die Einfriedung keine bauliche Anlage auf seinem Grundstück abstützt, die Mauer also nicht als Stützpfeiler fungiert.
Welche Abstandsregeln zum Nachbargrundstück gelten in Frankreich?
Die Abstandsregeln zum Nachbargrundstück gehen in Frankreich üblicherweise aus lokalen Verwaltungsvorschriften sowie aus regelmäßigen, anerkannten Gebräuchen hervor. Das macht es für zugezogene Deutsche schwierig, da die Grenzbebauung im Ernstfall eine tiefe, lokale Einarbeitung erfordert. In Art. 671 Code Civil sind zwar bestimmte Mindestabstände für Pflanzen je nach deren Höhe festgelegt, in der Praxis gelten jedoch meist die örtlichen Gewohnheiten und Vorschriften. Spalierpflanzen sind allen Eigentümern der gemeinsamen Grenzmauer erlaubt, dürfen aber nicht über diese hinausragen.
[1] Kirner, Oliver & Macor, Katja (2022). Frankreichimmobilien (9. Überarbeitete Auflage). Deutsche Schutzvereinigung Auslandsimmobilien e.V., S. 114