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Immobiliensachverständiger: Aufgaben, Kosten und was ihn vom Immobiliengutachter unterscheidet

Wenn es darum geht, eine Immobilie oder ein Grundstück zu einem angemessenen Preis zu (ver)kaufen, wendet man sich im Idealfall an einen zertifizierten Immobiliensachverständigen. Denn ein zertifizierter oder öffentlich bestellter und vereidigter Experte hat die nötigen Markt- sowie Sachkenntnisse, um den aktuellen Wert einer Immobilie zu bestimmen – und das zur Festpreisgarantie ohne versteckte Kosten.

Wie ein Immobiliensachverständiger Gutachten erstellt, was das kostet und worin der Unterschied zum Immobiliengutachter liegt, erfahren Sie hier.

Immobiliensachverständiger oder Immobiliengutachter: Wo liegt der Unterschied?

Den Terminus „Sachverständiger“ hört man üblicherweise bei Gericht und im Umfeld von Behörden . Diese Institutionen berufen sich meist auf einen Gesetzeswortlaut und verwenden daher vornehmlich die Bezeichnung Sachverständiger – denn dies ist rechtlich gesehen der korrekte Ausdruck.

Müssen Sie wegen einer Immobilie vor Gericht ziehen, benötigen Sie also ein Gutachten eines zertifizierten oder öffentlich bestellten und vereidigten Immobiliensachverständigen. Wurde das Gutachten sogar durch ein Gericht angeordnet, handelt es sich ausnahmslos um ein Verkehrswertgutachten (auch Vollgutachten genannt).

Verkehrswertgutachten

Ein Gutachter wird hingegen vorwiegend bei Rechtsstreitigkeiten zwischen Privatpersonen eingesetzt. Daher hat sich im privaten Bereich auch die Bezeichnung des Gutachters eingebürgert. Wenn es sich um die Bewertung einer privaten Angelegenheit handelt, wird daher von einem Gutachter ein sogenanntes Kurzgutachten erstellt.

Der Unterschied zwischen einem Sachverständigen und einem Gutachter liegt also nur in der Verwendung der Begriffe. Im Grunde werden beide Bezeichnungen außerhalb von Gericht und Behörden synonym verwendet. Die Bezeichnungen „Immobiliengutachter“ und „Immobiliensachverständiger“ sind in Deutschland jedoch nicht geschützt. Mit anderen Worten: Man sollte immer auf die Qualifikation und nicht die Bezeichnung der betreffenden Person achten, denn jeder kann sich so nennen.

Manchmal findet man auch Bezeichnungen wie Wohnungsgutachter oder Hausgutachter – diese Bezeichnungen sind ebenfalls nicht bindend und sagen lediglich aus, auf welche Immobilien sich ein Gutachter spezialisiert hat.

Was macht ein Immobiliensachverständiger?

Wenn Sie ein Gutachten benötigen, das vor Gericht Bestand haben soll, ist es das Beste, die Bewertung von einem öffentlich bestellten und vereidigten oder zertifizierten Immobiliensachverständigen durchführen zu lassen. Ein paar Beispiele, bei denen ein Gutachten von einem öffentlich bestellten und vereidigten oder zertifizierten Immobiliensachverständigen Abhilfe schaffen kann:

  • juristische Auseinandersetzungen als Folge einer Erbschaft, Vormundschaft oder Scheidung,
  • Unstimmigkeiten mit dem Finanzamt bezüglich einer Immobilie,
  • Streitigkeiten in einem Versicherungsfall,
  • Streitigkeiten wegen Baumängeln / Bauschäden,
  • bei Enteignung oder Entschädigungsverfahren,
  • zur Überführung von Betriebs- in Privatvermögen
  • bei einer Zwangsversteigerung
  • oder für Gutachten größerer Objekte wie einem Mehrfamilienhaus oder Bürokomplex

Hier macht es definitiv Sinn, auf einen zertifizierten Experten zurückzugreifen, der anerkannte Bewertungsverfahren anwendet und einschlägige Markt- wie Sachkenntnis aufweist. Dieser kann verschiedene Arten von Gutachten ausstellen. Die wichtigsten finden Sie hier:

  • Verkehrswertgutachten

Das Verkehrswertgutachten, auch Vollgutachten genannt, ist gerichtsfest und kann zu Vorlage für das Finanzamt, gerichtliche Auseinandersetzungen, für die Überführung von Betriebs- und Privatvermögen herangezogen werden. Das Verkehrswertgutachten wird von einem zertifizierten bzw. vereidigten Immobiliensachverständigen erstellt und ist besonders umfangreich – was einen erhöhten Preis zur Folge hat.

  • Kurzgutachten

Ein Kurzgutachten wird dann erstellt, wenn es sich um die Bewertung einer privaten Angelegenheit handelt. Beispiele dafür sind Kauf und Verkauf einer Immobilie oder außergerichtliche Einigungen bei Scheidungen. Ein Kurzgutachten ist weniger umfangreich als die beiden anderen hier vorgestellten Gutachten und auch für Gerichte und Behörden ungültig. Dafür ist es relativ günstig zu haben.

  • Beleihungswertgutachten

Ein Beleihungswertgutachten ist notwendig, wenn Sie für einen Kredit eine Immobilie als Sicherheit angeben wollen. In diesem gilt es herauszufinden, mit welchem Wert die Bank die Immobilie veräußern könnte.



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Wie viel kostet ein Immobiliensachverständiger und wie geht er dabei vor?

In der Regel verlangt ein professioneller Immobiliensachverständiger ein Honorar von etwa 130 Euro pro Stunde:

  • Zur Orientierung können Sie bei einem Kurzgutachten mit Kosten ab 800 Euro rechnen.
  • Bei einem Verkehrswertgutachten beginnen die Kosten meist bei 1.400 Euro.

Welche Kosten bei einer Immobilienbewertung jedoch konkret auf Sie zukommen, ist abhängig von der zu bewertenden Immobilie und der Art des Gutachtens, das Sie in Auftrag geben. Einen professionellen Sachverständigen erkennen Sie also unter anderem daran, dass er keine pauschalen Auskünfte zu Kosten gibt, sondern diese immer individuell berechnet.

Kosten Immobiliengutachten

Soweit zum Thema Immobiliengutachter-Kosten. Werfen wir nun einen Blick auf die Leistungen bzw. die Verfahren, die ein Sachverständiger durchführen kann. Allgemein gibt es die folgenden drei Bewertungsverfahren, nach denen ein Sachverständiger Immobilien bewertet:

  • Ertragswertverfahren

Der Wert eines Gebäudes wird durch seinen Ertrag bestimmt. Dieses Bewertungsverfahren findet vorrangig bei vermieteten Immobilien Anwendung.

  • Vergleichswertverfahren

Der Wert einer Immobilie wird unter Bezugnahme realisierter Kaufpreise für adäquate Vergleichsobjekte ermittelt. Dieses Verfahren findet vor allem bei der Bewertung von Eigentumswohnungen Anwendung.

  • Sachwertverfahren

Der Wiederbeschaffungswert bei einem Sachwertverfahren beschreibt den Wert der Immobilie unter Berücksichtigung wertmindernder Faktoren wie beispielsweise Abnutzung.

Unter diesen drei Verfahren ist das Sachwertverfahren das gängigste, aber auch komplexeste Bewertungsverfahren.

Welche Arten von Immobiliensachverständigen und -gutachtern gibt es?

Der Beruf des Immobiliensachverständigen zeichnet sich unter anderem durch Vielseitigkeit aus. Damit Sie einen Überblick haben, welchen Sachverständigen Sie für Ihre Bewertung am besten heranziehen, haben wir Ihnen hier die unterschiedlichen Bezeichnungen samt Erklärung aufgelistet.

Gut zu wissen: Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Immobiliensachverständige Ihrer Wahl sich zur Einhaltung eines Ehrenkodex verpflichtet oder Mitglied in Branchenverbänden ist. Beides spricht für eine professionelle Arbeitsweise.

Freie Immobiliengutachter und -sachverständige

Solche Gutachter bezeichnen sich aufgrund eines besonderen Sachverstands zum Thema Immobilien als „freie Immobiliengutachter“. Aber: Eine bestimmte Qualifizierung muss man in diesem Fall nicht nachweisen können. Das Gutachten eines solchen Sachverständigen hat vor einem Gericht oder bei einem Amt keinen Bestand und damit keine Gültigkeit.

Öffentlich bestellte und vereidigte Immobiliengutachter und -sachverständige

Solche Experten werden von der Industrie- und Handelskammer (IHK) geprüft und ernannt. Die „öffentliche Bestellung“ erlaubt es den Sachverständigen, auf ihrem jeweiligen Sachgebiet Gutachten zu erstellen, Beratungen, Prüftätigkeiten und Überwachungen sowie schiedsrichterähnliche und schiedsgerichtliche Aufgaben auszuüben. Deren Gutachten sind daher offiziell anerkannt und auch vor Gericht zugelassen.

Staatlich anerkannte Immobiliengutachter und Sachverständige

Hierbei handelt es sich um öffentlich bestellte Gutachter und Sachverständige, die demnach über ein IHK-Zertifikat verfügen. Zusätzlich sind sie aber auch für die Landesbehörden zuständig. Das heißt: Solche Experten dürfen auch Gutachten für öffentliche Behörden und Institutionen wie Gerichte erstellen, da sie über die nötigen Sach- und Marktkenntnisse verfügen. Nachgewiesen werden jene Kenntnisse durch eine umfangreiche Prüfung bei der jeweiligen Kammer.

Verbandsanerkannte Sachverständige

Sachverständige bzw. Gutachter zur Grundstückswertermittlung werden von den einzelnen Verbänden nach deren eigenen Anforderungen benannt. Ein allgemeingültiges System der Voraussetzungen zur Benennung von Wertgutachtern besteht nicht.

Behörden als Sachverständige

Beispiele für diese Behörden sind die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, das Bundesgesundheitsamt, das Umweltbundesamt oder das Deutsches Patent- und Markenamt.

Behörden Immobilien

Wie wird man Immobiliensachverständiger?

Der Beruf des Immobiliensachverständigen bietet ein interessantes Tätigkeitsfeld, wie Sie hier erfahren durften. Zudem ist er für jede Person mit einem Hochschulstudium, Fachwissen und Interesse auf den Gebieten Architektur, Mathematik, Bauwesen und Wirtschaft geeignet und erlernbar.

Neben dem eben Gesagten ist die Weiterbildung bei verschiedenen Institutionen wie IHK, TÜV, DEKRA, DIA, EIPOS und HypZert Voraussetzung zum Ergreifen des Berufs. So weit zu den Grundlagen. Wenn Sie sich mehr dafür interessieren, wie man selbst Fuß in diesem Berufsfeld fasst, dann stellt Ihnen unser Artikel Immobiliengutachter werden alle nötigen Informationen bereit.

Fazit zum Immobiliensachverständiger

Bei der Wahl eines passenden Immobiliensachverständigen gilt es einiges zu beachten. Da der Begriff nicht geschützt ist und sich im Grunde jede Person so nennen darf, sollte man sich im Optimalfall für einen zertifizierten Sachverständigen entscheiden, so wie alle Sachverständigen bei Heid-Immobilienbewertung es sind. Ob sich dieser jedoch Immobiliensachverständiger oder -gutachter nennt, ist für Sie erst in zweiter Linie relevant, denn beide Begriffe werden im Alltag gern synonym verwendet.

FAQs: Immobiliensachverständiger

Wie wird man Immobiliensachverständiger?

Wer Immobiliensachverständiger werden will, muss einige Grundvoraussetzungen, ein Hochschulstudium sowie Erfahrung im Immobilienwesen mitbringen, ehe er sich durch Fortbildungen zum Immobiliengutachter weiterbilden kann.

Was macht ein Immobiliensachverständiger?

Ein Immobiliensachverständiger bestimmt mittels Markt- und Sachkenntnissen den aktuellen Verkehrswert einer Immobilie. So können Verkäufe, Käufe und Streitigkeiten rund um Immobilien korrekt verhandelt werden.

Wie viel kostet ein Immobiliensachverständiger?

In der Regel verlangt ein professioneller Immobiliensachverständiger ein Honorar von etwa 130 Euro pro Stunde. Welche Kosten bei einer Immobilienbewertung jedoch konkret auf Sie zukommen, ist abhängig von der zu bewertenden Immobilie und der Art des Gutachtens, das Sie in Auftrag geben.

Bild von André Heid
Author:
André Heid
Position:
Geschäftsführer

IMMOBILIEN­BEWERTUNG

Ich habe den Datenschutz gelesen und verstanden.

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Heid Immobilien GmbH

Heid Immobilienbewertung
Mitgliedschaften:
Deutscher Gutachter & Sachverständigenverband
VDI, Verband deutscher Ingenieure



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Der Preis eines Gutachtens hängt vom Umfang und der Komplexität des Objektes ab. Neben der Wohn- und Grundfläche beeinflusst auch die Art der Immobilie (z.B. Wohn-, Geschäfts- oder Sonderimmobilie) die Kosten für das Gutachten. Die Auslagen für die Beschaffung von Dokumenten, die dem Besitzer nicht vorliegen, müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Informieren Sie sich kostenlos und unverbindlich!


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